Process Mining – Bonanza oder Banana?

Anfang September hatten wir eine kontroverse Diskussion mit unserer (r)auszeit Community zum Thema „Process Mining – Bonanza oder Banana“.

Der Einstieg via Online Umfrage (mit Mentimeter) sollte zeigen, wie es denn mit dieser ‚Hype-Technologie‘ ausschaut. Nur zur Erinnerung. Es ist noch gar nicht lange her, da gab es eigene Gartner Quadranten zu diesem Thema.

Hier also erstmal die Ergebnisse.

Was denkst Du darüber? Deckt sich das mit Deiner Sicht auf die Technologie?

Wir haben die Technologie im weiteren Verlauf der (r)auszeit gemeinsam beleuchtet.

Process Mining hat in den letzten Jahren erheblich an Popularität gewonnen und wird oft als eine bahnbrechende Technologie gefeiert, die die Effizienz von Geschäftsprozessen revolutioniert. Es verspricht, verborgene Einblicke in Prozesse zu liefern und organisationsweite Verbesserungen zu ermöglichen. Doch während viele diese Technologie als Bonanza sehen, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Abläufe zu optimieren, gibt es auch eine andere Perspektive: Process Mining könnte sich als eine Banane entpuppen, die nur scheinbar nahrhaft ist, aber letztendlich enttäuschend sein kann.

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass Process Mining zweifellos einige Vorteile bietet. Es ermöglicht Unternehmen, ihre Prozesse zu analysieren und zu übewachen, was zu einer besseren Transparenz und einem tieferen Verständnis führt. Diese Analyse erfolgt Daten basiert und ist, verglichen mit der klassischen Interview-basierten Process Discovery, deutlich weniger subjektiv.

Process Mining kann dazu beitragen, Engpässe zu identifizieren, ineffiziente Schritte zu eliminieren und letztendlich Kosten zu senken. Darüber hinaus kann Process Mining Unternehmen dabei unterstützen, Compliance-Anforderungen besser zu erfüllen, da es Transparenz in die Einhaltung von Vorschriften und Richtlinien bringt.

Jedoch sollten wir uns nicht von den vermeintlichen Vorteilen blenden lassen. Es gibt einige kritische Aspekte von Process Mining, die berücksichtigt werden müssen.

  1. Datenqualität: Process Mining ist stark von der Qualität der verfügbaren Daten abhängig. Wenn die Daten unvollständig, inkonsistent oder veraltet sind, können die Ergebnisse irreführend sein und zu falschen Schlussfolgerungen führen.
  2. Menschliche Intervention: Process Mining kann Prozesse analysieren, aber es kann keine menschliche Intuition oder kreatives Denken ersetzen. Es kann dazu führen, dass Mitarbeiter zu sehr auf die Daten vertrauen und menschliche Aspekte der Prozessoptimierung vernachlässigen.
  3. Überkomplexität: Es besteht die Gefahr, dass Process Mining zu komplex wird. Unternehmen könnten sich in unzähligen Analysen und Datensätzen verlieren, anstatt klare und umsetzbare Maßnahmen abzuleiten.
  4. Kosten und Ressourcen: Die Implementierung von Process Mining-Tools erfordert beträchtliche Investitionen in Software, Schulungen und Personal. Unternehmen müssen sicherstellen, dass der Nutzen die Kosten rechtfertigt.
  5. Veränderung der Unternehmenskultur: Process Mining kann Widerstand in der Belegschaft hervorrufen, da es Veränderungen in Arbeitsabläufen und Verantwortlichkeiten mit sich bringen kann. Eine erfolgreiche Implementierung erfordert daher auch eine kulturelle Veränderung.

Schließlich ist es wichtig zu bedenken, dass Process Mining kein Allheilmittel ist. Es ist ein Werkzeug, das in den richtigen Händen und unter den richtigen Bedingungen wirksam sein kann. Unternehmen sollten sorgfältig abwägen, ob sie in Process Mining investieren sollen, und sicherstellen, dass sie die erforderlichen Vorbereitungen treffen, um die Technologie erfolgreich zu nutzen.

Insgesamt ist Process Mining also weder einfach „Bonanza oder Banana“. Es ist eine Technologie, die Potenzial hat, wenn sie richtig eingesetzt wird, aber auch Herausforderungen und Fallstricke birgt.

Inbesonders muss vor der Einführung geklärt werden, WARUM man Process Mining einführen möchte und was man mit den gewonnenen Erkenntnissen dann macht! Wie bei der Einführung fast jeder neuen Technologie ist auch bei Process Mining ein schrittweiser Ansatz sinnvoll. Der Start mit einem Pilot zur Anwendung der Technologie in einer bestimmten Prozess-Domäne wäre doch ein guter Anfang, um Risiken, Erwartungshaltungen, Lerneffekte, Business Case unter Kontrolle zu haben. Häufig reicht für den ersten Pilot schon eine leichtgewichtige Process Mining Lösung aus. Mit den gemachten Erfahrungen lassen sich die wirklich notwendigen Anforderungen an die endgültige Lösung viel fundierter festlegen.

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen dazu? Dann kontaktieren Sie uns gerne.

Happy Processing!

Markus

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