Business Transformation durch Temenos T24 Harmonisierung

Zusammenfassung

Die Initiative zur Harmonisierung von verschiedenen Temenos T24 Plattformen in drei „booking centers“ wurde gestartet mit dem Ziel, die Core-Banking Plattformen zu konsolidieren und das Betriebsmodell und die Geschäftsprozesse in Operations und der IT zu vereinheitlichen.

Nach einer neunmonatigen Vorbereitungszeit und einer 18-monatigen Implementierungsphase wurde die konsolidierte Temenos T24 Lösung in allen Ländern erfolgreich eingeführt.

Seither hat sie ihre Praxistauglichkeit und Reife in der Produktionsumgebung unter Beweis gestellt und den beteiligten Geschäftseinheiten und deren Kunden substanzielle Vorteile gebracht.

Der Autor hat die Idee zur Initiative ausgearbeitet, die Vorstudie und die Projekt-Initiierung geleitet, sowie Sponsorship über alle betroffenen Funktionen und Regionen sichergestellt. Während der Umsetzung hat er als Coach und Sparring-Partner des Business-Projektleiters agiert und trug die Verantwortung für die Zusammenlegung und Re-Organisation der drei Länder-IT-Abteilungen.

Ein anspruchsvolles Ziel: Aus verschiedenen T24 Plattformen für 3 Länder soll eine länder-übergreifende Plattform werden

Die drei Länder verfügten über die gleichen Core-Banking Plattformen, basierend auf Temenos T24, jedoch mit verschiedenen Konfigurationen und unterschiedlichen peripheren Applikationen, Betriebsmodellen und Geschäftsprozessen. Das Potential für lokale Kosten-Optimierungen an den drei Standorten war ausgeschöpft. Die Bank könnte aber von einer engeren, länder- und funktionsübergreifenden Kooperation und Harmonisierung der IT-Lösungen in zweifacher Hinsicht profitieren: die Kunden erhielten ein einheitliches Wertangebot, nahtlos integrierte Services und eine breitere Produktpalette, während der Beitrag zum Ergebnis der Bank gleichzeitig um einen signifikanten, 7-stelligen Betrag pro Jahr verbessert werden könnte. Diese Zielsetzung schien bestechend, da die Standorte, neben der gleichen Core-Banking Plattform auch wesentliche Überschneidungen bei Produkten und Services aufwiesen und teilweise sogar Vermögenswerte der gleichen Kunden verwalteten.

Die Machbarkeit des Vorhabens wurde in 8 Wochen verifiziert

Innerhalb von nur 8 Wochen wurden die verschiedenen Aspekte der drei Standorte verglichen:

  • Produkte und Services
  • Geschäftsprozesse und deren Unterstützung durch IT-Anwendungen
    Applikationslandschaften und -Architektur
  • Teamstrukturen, Kapazitäten und Kosten der IT und von Operations

Dabei zeigte sich, dass jeder Standort seine spezifischen Stärken und Schwächen hatte und dass aus einer Kombination der besten bereits bestehenden Elemente eine effizienteres und effektiveres Betriebsmodell für alle drei Standorte abgeleitet werden kann. Ausgehend von diesem Grundsatz wurden Optionen für das zu implementierende zukünftige Betriebs-modell, die Technologie und den organisatorischen Aufbau entwickelt.
Dem Steering Committee wurde der Business Case mit den folgenden Empfehlungen unterbreitet:

  •  Konvergenz der Temenos T24 Plattformen und bestimmter peripherer
    Applikationen (u.a. AML-Überwachung, Online Banking, Swift- und EAM
    Schnittstellen, General Ledger, Reporting für Regulatoren und
    Performance)
  • Harmonisierung des Betriebsmodells und der Geschäftsprozesse der IT und von Operations
  • Beseitigung von Doppelspurigkeiten, beispielsweise bei der Verwaltung der Wertpapierstammdaten und im Bereich Corporate Actions

Eine fundamentale Veränderung wird vorbereitet

Die Konvergenz der Core-Plattform voranzutreiben und gleichzeitig das ursprüngliche Projektportfolio weiterzuführen, erschien aus Sicht der Ressourcenverfügbarkeit und insbesondere aufgrund von Risikoüberlegungen unrealistisch. Die gesamte Projekt-Pipeline der drei «booking centers» wurde überprüft und neu priorisiert. Viele Projekte wurden um 12 Monate zurückgestellt oder gleich ganz gestrichen, Entscheidungen, die angesichts der Marktchancen alles andere als leicht fielen.
Um die Entscheidungsfindung zu erleichtern und einen klaren Proiektfokus zu garantieren, einigte sich die Projekt-Führung mit dem Sponsor auf nicht-verhandelbare Kerngrundsätze:
  •  Keine Abstriche bei notwendigen Geschäftsfunktionalitäten
  • Keine Einführung von neuen Technologien und mit Temenos T24 integrierten Applikationen
  • Keine zusätzlichen Funktionen und Anforderungen, die über das bereits Bestehende an den einzelnen Standorten hinaus gehen
  • Keine länder-spezifischen Benutzer-Schnittstellen
  • Der Zeitplan hat höchste Priorität, gefolgt vom Projekt-Umfang und den Projekt-Kosten.

Schwierige Bedingungen sorgen für eine anspruchsvolle Projektrealisierung

Als echte Herausforderung erwies sich die Einigung auf ein konsensfähiges gemeinsames Betriebsmodell und auf einheitliche Anforderungen.
Alle drei Standorte verfügten über bewährte, gut eingespielte Prozesse in Business und IT, die auf das lokale Umfeld und die jeweilige Kultur abgestimmt waren. Das Definieren von harmonisierten Prozessen, das Aushandeln der Details und schliesslich die Genehmigung durch alle beteiligten Parteien nahmen erheblich mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich geplant. Für einzelne Geschäftsprozesse musste die Zustimmung von mehr als zehn verschiedenen Parteien eingeholt werden.
Um die wichtigste Projektvorgabe – den Go-live am vereinbarten Meilenstein – zu erfüllen, war eine beschleunigte Lösungs-Implementierung («fasttracking») die einzig mögliche Option.
Ein erster, rein technischer Release zielte darauf ab, die verschiedenen standortübergreifenden IT-Prozesse und Toolsets einzuführen und im Detail aufeinander abzustimmen.
Die weiteren Releases, die sich durch einen stetig steigenden Komplexitätsgrad auszeichneten, steuerten die nötigen Funktionen und Workflows für das vereinheitlichte Betriebsmodell bei und sicherten den Geschäftseinheiten «quick-wins».
 

Das Projekt hat heute eine strategische Bedeutung für Business und IT

Die Umsetzung des Grundsatzes, die besten bestehenden Lösungs-Komponenten in die neue Plattform zu integrieren, resultierte in erweiterten Funktionen für alle «booking centers», wie zum Beispiel:
  •  Bareinlagen in Investmentfonds und Hedge Fonds
  • Besser strukturierte Kreditlimiten und ein optimiertes Credit Reporting
  • Signifikante Kosteneinsparungen aufgrund des höheren Automatisierungsgrades im Wertschriften-Settlement-Workflow, mit FOREX- und Geldmarkt-Confirmation-Matching und Settlement sowie im Bereich der Devisen- und Geldmarktnotierungen
Die enge Zusammenarbeit auf der Basis des harmonisierten Betriebsmodells und der konvergierten IT-Plattform ermöglichte es dem Business, zusätzliche Synergiepotenziale zu identifizieren sowie Erfahrung und Know-how auszutauschen.
Aus strategischer Sicht ebenso wichtig ist, dass das Projekt neuen Denkansätze in Bezug auf Veränderungen und die regionale Zusammenarbeit zum Durchbruch verholfen hat.

Bei Fragen und Anmerkungen würde ich mich über Rückmeldung freuen – entweder als Kommentar oder direkt an markus.meier@mit-aufwind.ch.